ANDORAN 11 - Dunkle Zeiten

Geschrieben von Thorsten Egolf am . Veröffentlicht in Madara Kamapgne

Nach einigen Jahren Pause geht es dieses Jahr weiter mit unserer Andoran-Conreihe.

Daher laden wir euch herzlich ein zu

Cover Andoran XI

Andoran 11 - Dunkle Zeiten

23. bis 25. September 2016 

UTOPION-Gelände in Bexbach

Den offiziellen Flyer könnt ihr hier herunterladen: Link.

Zur Online-Anmeldung geht es hier: Link*

* Unsere SC-Plätze sind leider bereits ausgebucht. Weitere Anmeldungen als SC landen auf unserer Warteliste. Aber bei uns kann man auch als NSC eine Menge Spaß haben.

 

Lithanis, moldraciasche Kronkolonie Lithanien:

Verzweifelt schnappte Mella nach Luft, doch statt ihre Atemnot zu lindern, drang lediglich weiterer Rauch in ihre Lungen. Dazu kam die Hitze, die sie fest umschlossen hielt. Zunächst hatte Mella noch verzweifelt versucht, ihre Familie zu finden. Doch inzwischen hatte sie diesen Versuch aufgegeben, das Feuer wütete überall um sie herum. Den Flammen war es egal, dass sie den Palast eines königlichen Statthalters zerstörten. Genauso wie es dem Feuer gleichgültig war, dass die Frau, die panisch durch die rauchverhangenen Gänge irrte, die Tochter eben jenes Statthalters war. Als Geburtstagsfeier ihres Vaters Raimund von Sitteswalde hatte der Tag begonnen, doch als Freudenfeuer konnte man das Inferno, dass den Nachthimmel nun erleuchtete, wahrlich nicht bezeichnen. 

Ein paarmal war Mella in den Gängen auf andere Personen getroffen, die ebenso panisch herumrannten, wie sie selbst. Sie machte sich keine großen Illusionen. Als sie zu Bett gegangen war, war ein Großteil der Gäste noch am Feiern gewesen, der Alkohol war in Strömen geflossen. Nun war es einige Stunden später. Sicher hatte das Feuer die meisten im Schlaf überrascht, eine denkbar schlechte Ausgangslage, um dem Inferno zu entkommen. Der Tod würde reiche Ernte halten in dieser Nacht. 

Mella wollte einfach nur noch raus aus der Flammenhölle. Im Gegensatz zu den meisten Gästen kannte sie sich zwar im Palast aus, aber inmitten der flackernden Flammen, des dichten Rauches und ihren getrübten Sinnen konnte sie nur hoffen, dass sie die richtige Abzweigung erwischt hatte, zumal ihre Kräfte sie zu verlassen drohten....

Moldracia, Hauptstadt Nethara, königlicher Palast (einige Wochen später):

Neugierig musterte Nikodemus seinen Herrn, der gerade von der Ratssitzung zurück kam. Angesichts des wütenden Gesichtsausdrucks des Ritters und der Art, wie er die Tür heftig hinter sich zugeworfen hatte, ahnte Nikodemus zwar schon, dass es nicht so gelaufen war, wie sein Herr es sich vorgestellt hatte. Trotzdem konnte er sich die Frage nicht verkneifen: "Wie war denn die Ratssitzung? Ihr seht unzufrieden aus, mein Herr?". Wütend schenkte sich der Ritter einen Becher Wein ein, bevor er antwortete: "Unzufrieden? Ob ich unzufrieden bin, Nikodemus? Willst du mich auf den Arm nehmen, Knappe? Soll ich etwa zufrieden sein, nachdem gerade die schönen Pläne meiner Familie zunichte gemacht wurden? Ich hatte ja gleich geahnt, dass es einige Kandidaten für den Posten geben würden, aber dass es so schlimm werden würde......"

Mit einem Schluck trank der Ritter seinen Becher aus, nur um sich gleich wieder nachzuschenken. Als er den neugierigen Blick seines Knappen sah, fuhr er fort: "Natürlich habe ich meinen Schwager als besten Mann für den Posten des Statthalters in Lithanien vorgeschlagen, aber wie zu erwarten hatten vier der anderen Häuser ebenfalls Kandidaten. Und natürlich war niemand bereit, seinen Kandidaten zugunsten eines anderen zurück zu ziehen, es wurde gestritten und man wurde fast schon ausfällig. Und dann dieser unerwartete Vorschlag der Akademie, das Land werde selbst einen Statthalter wählen...." Verblüfft frage Nikodemus nach: "Äh.... das Land wählt? Wie soll das denn gehen? Der muss doch vom König ernannt werden?" "Ja, natürlich ernennt der König den Statthalter, aber vorher soll eben in einer Art Wettkampf der Beste ermittelt werden, irgend so eine alte Elbe, die mit dem Land oder dem Drachen dort verbunden, soll das tun... Und wen die aussucht, der soll dann das Amt bekommen."

"Hm....", Nikodemus dachte kurz nach: "Dann kann sich doch Euer Schwager auch bewerben?", aber sein Herr winkte sofort ab: "Brilliante Idee, hast du dir auch Gedanken gemacht, wie viel das kostet? Meinst du, da kann einer alleine mal eben hin? Ohne Söldner, ohne ein Gefolge, das unterstützt? Da kann er sich auch gleich umbringen... Und das alles, nur um dann am Ende zu verlieren? Dafür werden wir sicher nicht unser Gold das Fenster raus werfen....".

Das leuchtete Nikodemus ein, zumal auch er schon gehört hatte, dass sich die Lage in der fernen Provinz Lithanien seit dem Tode des Thronlegaten nicht zum besten entwickelt hatte. Er beneidete seinen Herrn nicht, wenn er diese schlechten Nachrichten seiner Gemahlin überbringen musste.

Lithanis, moldraciasche Kronkolonie Lithanien, Hafenstadt Thorn (wieder einige Wochen später):

"Und, was hälst Du von der Situation, alter Freund?", über seinen Bierhumpen blickte Gerwulf Mörke sein Gegenüber an. Dieser prostete seinen Freund kurz zu, bevor er antwortete: "Ich denke, Du hast richtig gehandelt. Und die Stadträte haben ja auch alle sofort zugestimmt. Du bist als Bürgermeister einfach verpflichtet, die Bürger dieser Stadt zu schützen. Und das geht nun mal nur mit mehr Stadtwachen... auch wenn es uns Geld kostet." Gerwulf nickte: "Eben, so sieht es aus. Wir haben unsere Stadtmauern, aber wir müssen uns auch um das Umland kümmern. Schließlich bekommen wir von den Bauern dort einen großen Teil der Nahrung. Und nach den Überfällen neulich, müssen wir dort einfach Präsenz zeigen." "Allerdings. Es ist schlimm, wie seit dem Tode des Barons von Sitteswalde alles den Bach runter geht. Hätte er nur auf uns gehört, und seinen Amtssitz hier in der Stadt behalten. Aber er war ja besessen von der Idee, es würde das Land verbinden, wenn er seine Residenz ins Landesinnere verlegt. Er könnte wahrscheinlich noch leben, denn in den steinernen Gebäuden hier löst wenigstens eine umfallende Kerze nicht gleich einen Großbrand aus. Anders wie in seinem neuen Palast, der fast ganz aus Holz war."

Gerwulf nickte wieder: "Da hast du recht, wobei... wie man hört, soll ruckzuck alles in Flammen gestanden haben. Das Feuer muss sich innerhalb von Minuten ausgebreitet haben. Dazu braucht es schon mehr als eine umgefallene Kerze...." Sein Gegenüber hielt inne: "Willst Du etwa damit andeuten, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen sei?"

Gerwulf schüttelte schnell den Kopf: "Nein, ich will gar nichts andeuten, ich sag nur, dass auch ein hölzernes Gebäude dieser Größe nicht so schnell komplett in Flammen stehen sollte.... eigentlich.... Wie dem auch sei, ich bin nur froh, dass mir der Medicus damals verboten hatte, die Reise zu den Feierlichkeiten anzutreten. So hatte diese vermaledeite Sache mit dem Fuhrwerk doch noch etwas Gutes!". Schaudernd dachte Gerwulf daran, dass er eigentlich auch zu den geladenen Gästen bei der Feier gehört hätte, jedoch einen Tag vor seiner schon geplanten Abreise dorthin war ihm ein Fuhrwerk über den Fuß gerollt, verdammte Unachtsamkeit! Aber im Nachhinein, so war er wenigstens noch am Leben.

"Ja, da hast du recht", nickte ihm sein Gegenüber zu: "Und ich hätte dich womöglich noch als Gesandter des Stadtrates begleitet, anstatt dich im Rathaus zu vertreten, während du dich durch den Medicus hast quälen lassen. Die meisten anderen Würdenträger unserer Kolonie haben nicht so viel Glück im Unglück gehabt... Gestern habe ich mit einem Händler gesprochen, der Waren aus dem Osten brachte, das klang äußerst beunruhigend. Es fehlt einfach die Führung in weiten Teilen des Landes. All die Bürgermeister, Dorfvorsteher, Amtmänner, Adligen, eben die vielen Würdenträger, die für die Ordnung in der Kolonie zuständig waren und die so unverhofft starben, das Chaos breitet sich aus....."

Bedächtig nickte der Bürgermeister: "Allerdings.... und wenn dieses Vakuum nicht bald wieder gefüllt wird, wird es noch schlimmer werden.... Wahrlich, wir steuern auf dunkle Zeiten zu!"